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Prof. Dr. med. Hans-Georg Hartwig
New member
Benutzername: prof_hartwig

Nummer des Beitrags: 15
Registriert: 8-2002
Veröffentlicht am Dienstag, 2. März 2004 - 12:45 Uhr:   

Kommentar zu den Presseberichten:

Vor knapp 15 Jahren ist die Zahl der Teilnehmer am Kurs der Makroskopischen Anatomie in Düsseldorf um 50% zurückgegangen. In dieser Zeit verfügte die Anatomie daher über deutlich mehr Körper, als für die Ausbildung am Leichnam benötigt wurden. Im Zuge der Amtshilfe hat die Anatomie Düsseldorf Körper an mehrere anatomische Institute in der Bunderepublik abgegeben, u.a. auch an Heidelberg. Dies war kein außergewöhnlicher oder gar auf die Anatomie Düsseldorf beschränkter Vorgang.
Lassen sich mit dem Begriff der "Amtshilfe" in einer Schlagzeile Leser anlocken?
Äußerst bedenklich ist, dass im Zusammenhang mit der Überführung eines Verstorbenen von "frischer Ware" gesprochen wird. Menschen, die unter solchen Gedankengängen leiden, benötigen dringend der fachlichen Hilfe. Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die auf solche Formulierungen mit gesteigertem Kaufinteresse reagiert?

Die Zusammenarbeit mit Heidelberg unterschied sich von der Kooperation mit anderen anatomischen Instituten. Nach Heidelberg wurden Körper überführt, die nicht vorher in der Düsseldorfer Anatomie konserviert worden waren. In Heidelberg wurden diese Körper mit dem von Herrn von Hagens entwickelten Verfahren konserviert, und es wurden plastinierte Präparate hergestellt, die seither der Düsseldorfer Anatomie in der Lehre der Studierenden dienen. Die Präparate befinden sich in der Sammlung der Düsseldorfer Anatomie. Übrigens ist ein Präparator der Düsseldorfer Anatomie im dienstlichen Auftrag an den Arbeiten in Heidelberg beteiligt gewesen.

Vor der Kooperation mit der Anatomie in Heidelberg hatte die Prüfung der baulichen Gegebenheiten ergeben, dass es in der Düsseldorfer Anatomie aus Gründen der Sicherheit nicht möglich ist, eine eigene Anlage für die Herstellung von Plastinaten aufzubauen. Daher wurde die vorübergehende Amtshilfe der Anatomie in Heidelberg gerne angenommen.

Was ist von Journalisten und Magazinen zu halten, die auf offensichtlich hilfebedürftige Menschen hören und keine tiefgehenden Recherchen durchführen? Muss ich nunmehr nicht an dem zweifeln, was noch alles über Herrn von Hagens berichtet wird?

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Zusammenarbeit mit Heidelberg 1991 beendet worden ist. Dazu hat beigetragen, dass ein hinreichender Fundus an Lehrmaterial geschaffen war und zudem einige der 1991 hergestellten Präparate in der Darstellung nicht dem entsprachen, was aus meiner Sicht für die Ausbildung angehender Ärzte und Ärztinnen erforderlich ist.

Prof. Hans-Georg Hartwig
Sebastian Appler
New member
Benutzername: applepie

Nummer des Beitrags: 4
Registriert: 12-2002
Veröffentlicht am Montag, 1. März 2004 - 16:35 Uhr:   

Der Spiegel 10/2004
"(...)
Die Camouflage galt wohl auch für die Beschaffung von Toten in der Heimat. In der Nacht zum 17. September 1989 war Hagens im privaten VW-Transporter auf der Autobahn zwischen Düsseldorf und Heidelberg unterwegs. Im Laderaum lag die Leiche eines 25-Jährigen, der wenige Tage zuvor an den Folgen von Aids gestorben war. Hagens, immer auf der Suche nach frischer Ware, hatte den Tipp von einem Mitarbeiter der Düsseldorfer Anatomie bekommen und war am 16. September sofort ins Rheinland aufgebrochen.
(...)"
vollständiger Text: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,288435,00.html

BILD vom 01.03.2004
" von G.Altenhagen
Düsseldorf-
Sind Leichen der Heinrich-Heine-Uni in die Hände des umstrittenen Heidelberger "Körperwelten"-Erfinders Gunther von Hagens gelangt ?

In seiner heutigen Ausgabe berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", dass der Leichenschausteller höchstpersönlich die Leiche eines AIDS-Toten (25) in seinem privaten VW-Transporter aus Düsseldorf nach Heidelberg brachte.
Der Plastinator sei von einem Mitarbeiter der Düsseldorfer Anatomie angerufen, auf die "frische Ware" aufmerksam gemacht worden.
Im Spiegel heißt es: "Die Rechtmäßigkeit solcher Transfers ist mehr als fraglich: Die Leiche war zur Ausbildung von Düsseldorfer Medizinstudenten gespendet worden. Die Heiderlberger interessierte offenbar eher die Gewinn bringende Vermarktung des Toten"
Die Mutter des AIDS-Toten hatte die Leiche aus Dankbarkeit für die Pflege ihres Sohnes gestiftet.
Jetzt quält sie die Frage: Was wurde aus meinem Soh ? Wurder er in Form einzelner Präparate in alle Welt verkauft ? Oder wurde er präpariert als Austellungsstück für Hagens Körperwelten"
In dem Bericht hieß es weiter, dass zudem die Heidelberger Universität in Hagens gewinnbringenden Handel mit Leichen aus Moskau verstrickt sei.
Der Plastinator wies die neuen Vorwürfe zurück. In einer Erklärung betonte Hagens: "Da die Leugnung der Wissenschaftlichkeit meiner Arbeit bislang nicht ausgereicht hat, bedient man sich jetzt des Vorwurfs der Geschäftemachereit."

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